Knackstelle Stundenaufbau
Knackstelle Stundenaufbau
Vinyasa on Beat Stunden aufbauen mit System
Ich wünschte, mir würde es so leicht fallen, eine Stunde zu erstellen. Bei mir dauert es ewig, ich fühle mich trotz der YogalehrerInnen-Ausbildung nicht sicher und habe immer das Gefühl, es reicht irgendwie nicht…
Kommt dir das bekannt vor?
Dann bist Du offenbar nicht allein damit und deshalb lass uns heute mal ein bisschen über den Stundenaufbau sprechen.
Ein Leitfaden mit einer klaren Reihenfolge
Keine Ahnung, wie das bei Dir ist, aber ich brauche immer irgendwas, woran ich mich festhalten kann; einen Leitfaden, eine Checkliste, eine ganz konkrete Anleitung, die ich aber dann auch auf andere Stunden übertragen kann.
Im Pilates gibt es eine ganz klare Reihenfolge, wann welche Übungen auftauchen. Das müssen nicht zwingend alle 34 Mattenübungen sein, aber das hilft schon mal sehr bei der Gestaltung und dem Aufbau einer Stunde.
Nur im Yoga ist es einfach ein bisschen schwammig. Die Unsicherheit, wie ich eine Stunde gut und richtig aufbauen sollte, hatte ich auch nach meiner ersten Ausbildung noch.
Erst als ich mit Meghan Currie meine Ausbildung in Bali gemacht habe, habe ich etwas von ihr an die Hand bekommen, sodass ich endlich wusste, was ich wann und wie in eine gelungene Yogastunde integrieren muss.
Vinyasa Krama: Deine Yogastunde als Waschtag
Wie einen traditionellen Waschtag hat sie uns den Aufbau einer Yogastunde erklärt; mit Vorbehandeln. Einweichen, den einzelnen Waschgängen und dann dem Trockengang und am Ende Savasana.
1. Alles beginnt mit der “Vorbehandlung”, Pre-Soak:
Übergang vom Alltag zur Praxis
Ankommen
Einführung in das Thema einer Stunde
Menschen in ihr Inneres führen; erdend, simpel.
Kurze Meditation, einfache Atemübung
Schneidersitz, knieend, Savasana
2. Dann kommt beim “Einweichen” etwas sanfte Bewegung hinzu, Soak:
Mit sanften Bewegungen anfangen
wellenartig; einfache, fließende Bewegungen
auch spontane, intuitive Bewegungen - mit Atmung synchronisieren
Körper spüren
Atmung steht im Vordergrund
3. Nun beginnt das Waschprogramm mit dem 1. Wash Cycle:
Der erste Waschzyklus ist eine kurze Sequenz von 3-4 Posen, die das Gerüst der Stunde bilden
Einfaches Warm Up
größere Wellenbewegungen und einfache Übergänge
mehrmals wiederholen
4. Die Temperatur steigt mit dem 2. und 3. Wash Cycle:
Mehr noch einfachere Elemente des fertigen Flows werden hinzugefügt
oder kurze Sequenzen/Teile des fertigen Flows werden einzeln geübt
das Ziel ist mehr Hitze zu erzeugen
vom Einfachen zum Komplexeren
Übergänge einfügen
5. Wir nähern uns dem Ziel im 4. und 5. Wash Cycle:
Die Grenzen zwischen den Waschzyklen verschwimmen mehr und mehr
der finale Flow wird zunehmend aufgebaut
Dazwischen Steeps: Atmung kontrollieren.
Hitze halten für die letzte Runde
oder bei sehr intensiven Flows nochmal Steep
„STEEPS: Nachspüren zwischen zwei Yogamomenten
Zwischen den einzelnen Waschzyklen (schon ab dem ersten Wash Cycle) entweder nach der Wiederholung auf beiden Seiten oder zwischen beiden Seiten - je nach Intensität - erfolgt ein Stillemoment, Steep, zum Nachspüren und Verdauen.
Raum halten für alles, was da ist.“
6. Der fertige Flow als Peak Cycle:
Der Flow ist fertig aufgebaut und wird ein bis zweimal pro Seite durchgemacht - je nach Zeitkapazitäten
Beim Aufbau des finalen Flows kannst Du entweder immer mehr Elemente des fertigen Flows anbauen oder einzelne Sequenzen separat üben und dann alles zu einem Flow zusammensetzen.
Je nach dem wie Du den fertigen Flow aufbaust, brauchst Du auch nur 4 oder 5 Wash Cycles.
7. Zeit zum Trocknen, der Dry Cycle:
Zeit für neutralisierende Posen, sanfte Hüftmobilisation, Übungen zur Propriozeption
Sanfte Cool Down Flows oder einzelne Dehnungsposen - je nach Intensität der Stunde
Alternativ zu einem klassischen Cool Down können sanfte Übungen [mit Kleingeräten] aus dem Pilates zum Einsatz kommen, um die Wirbelsäule und Hüfte wieder vollständig zu neutralisieren
8. Savasana:
Savasana als letzter großer Steep
Auf Sprache und Tonfall achten - alles sanft und beruhigend.
Kreis schließt sich mit dem Thema der Stunde vom Anfang.
viel Raum lassen
Stille
DAUER SAVASANA:
Bei 60 Minuten Klassen: 5-8 Minuten
Bei 90 Minuten Klassen: 15-20 Minuten
Bei Masterclasses von 2,5 + Stunden: mindestens 20 Minuten
Vinyasa Krama neu gedacht
Im Grunde lehnt sich dieses Schema an das traditionelle Vinyasa Krama an. Doch mir persönlich hat das Bild von einem Waschprogramm einfach viel schneller und einleuchtender klar gemacht, wie es geht.
Seitdem ich meine Stunden nach diesem Prinzip aufbaue - auch in meiner Selbstpraxis(!), brauche ich weniger als eine halbe Stunde, um eine Yogastunde zu entwerfen. Das geht wirklich ratz-fatz!
Ich hoffe, diese kleine Erklärung und Veranschaulichung hilft Dir ein bisschen weiter. Falls Du mehr und konkretere Hilfestellung brauchst, dann kann ich Dir meinen kleinen Onlinekurs “Vom Flow zur Stunde” ans Herz legen.
Da gehe ich anhand eines konkreten Flows aus meinem Buch Yogaflows alle einzelnen Wash Cycles mit Dir durch und erkläre Dir meine Vorüberlegungen Schritt für Schritt ganz im Detail.
Im Begleitbooklet zu diesem Onlinekurs gebe ich Dir schon ein Gerüst vor in Form einer Tabelle mit den einzelnen Waschzyklen, die Du dann nur noch ausfüllen brauchst - und schon hast Du eine schlüssige und runde Yogastunde, die Dir Halt und Sicherheit beim Unterrichten gibt - also bei mir hilft’s jedenfalls…
Mit Ruhe und Zeit zu einer genussvollen Yogastunde
Das Wichtigste beim Stundenaufbau ist meiner Meinung nach, sich Zeit zu lassen. Nicht den Flow als höchstes Ziel zu haben, das so schnell wie möglich erreicht werden muss, sondern den Weg dahin.
Vorbereitende Bewegungen und Übungen einzuflechten; auch mal einen Übergang ein paarmal zu üben, sodass am Ende, wenn der Flow aufgebaut ist, sich die Bewegungen geschmeidig anfühlen und diese letzte Runde wirklich eine Genussrunde ist.
Und mein wichtigster Tipp, wenn Du im Rhythmus der Musik - on Beat - unterrichtest:
Lass den Beat auch mal sausen…
Was meine ich damit?
Manche meiner ehemaligen TeilnehmerInnen meines ON BEAT Workshops trauen sich nicht on Beat zu unterrichten, weil sie sich selbst zu viel Druck machen, immer und ohne Ausnahme im Takt unterrichten zu müssen. Manche melden sich bei mir, weil sie sich nicht sicher genug fühlen, verzweifeln an ihrem eigenen Druck nach Perfektion oder lassen es ganz.
Doch das geht auch anders: Gerade für den Aufbau des Flows und in den ersten Waschzyklen kannst Du den Beat auch manchmal einfach ignorieren und Dich darauf konzentrieren ZU UNTERRICHTEN. Also bereite Deine TeilnehmerInnen körperlich auf das, was kommt, vor, bringe ihnen die Sequenz bei. Und wenn sie sitzt, dann halte Dich wieder an den Beat - doch diesmal nicht aus Druck, sondern mit Genuss - für alle….
Du willst ein konkretes Beispiel aus der Praxis und mehr Erklärungen und Werkzeuge für die Umsetzung?
Sehr gerne - denn genau für Dich habe ich meinen extrem praxisnahen Minikurs “Vom Flow zur Stunde” kreiert.